"Mein Leben besteht aus Zähnen und Musik"
Das Stuttgarter Ärzteorchester feiert seinen 50. Geburtstag
- Ein Gespräch mit dem Dirigenten und Zahnarzt Arnold Waßner
Von Susanne Benda Mit Konzerten in der Kassenärztlichen Vereinigung und im
Mozartsaal der Liederhalle feiert das Stuttgarter Ärzteorchester
an diesem Freitag und Samstag jeweils um 20 Uhr sein 50-jähriges
Bestehen. Auf dem Programm stehen Beethovens dritte Sinfonie ("Eroica"),
Solistin bei Tschaikowskys Violinkonzert ist Maria-Elisabeth Lott.
Arnold Waßner steht seit 1998 am Pult.
Herr Waßner, wie viele Musiker spielen zurzeit im Stuttgarter Ärzteorchester?
Und wie viele davon sind Mediziner?
Wir haben momentan 60 aktive Mitglieder. Davon sind 70 bis 80
Prozent Mediziner, die restlichen kommen zum Großteil aus
angrenzenden Berufen, sind also beispielsweise Krankenschwestern
oder Apotheker. Mehrere Musiker haben sogar ein abgeschlossenes
Musikstudium hinter sich.
Warum gibt es eigentlich in fast jeder Stadt ein Ärzteorchester,
aber nirgends eines von Juristen oder Elektroingenieuren?
Diese Frage habe ich mir selbst schon oft gestellt, bislang aber
keine wirklich befriedigende Antwort gefunden. Vielleicht hat das
etwas mit dem Bildungsbürgertum zu tun, aus dem viele Mediziner
stammen.
Juristen aber auch.
Ja. Ein paar von ihnen sind auch bei uns im Orchester untergekommen.
Und mit der behaupteten heilenden Wirkung der Musik hat das Phänomen
der musizierenden Ärzte wirklich nichts zu tun?
Nein. Inzwischen ist es erwiesen, dass selbst Mozart nicht schneller
gesund macht.
Aber Gesunde spielen Mozart vielleicht schneller? Sei"s drum
- wo liegen die Grenzen des Stuttgarter Ärzteorchesters?
Bei Mahler und Bruckner. Wir können gut Werke der Klassik
und der früheren Romantik spielen, aber viele spätere
Stücke sind zu schwer und zu groß besetzt. Vielleicht
nehmen wir uns mal Bruckners "Romantische" vor - aber
auch dann müssten wir schon mit Aushilfen arbeiten.
Spielen Sie auch Werke des 20. Jahrhunderts?
Ja - wenn sie für uns spielbar sind. Das trifft für
Etliches von Arvo Pärt zu, aber auch etwa für Kurt Weills
zweite Sinfonie.
Was hat sich in der 50-jährigen Geschichte des Orchesters
vor allem verändert?
Früher stand der gesellschaftliche Aspekt des Musizierens
im Vordergrund. Heute ist das Orchester technisch viel besser.
In Ihren Jubiläumskonzerten spielen Sie Beethovens "Eroica" und
Tschaikowskys Violinkonzert. Warum?
Tschaikowskys Stück fehlte uns noch in unserem Konzertrepertoire,
und die "Eroica" ist vor allem wegen ihrer Länge
eine Herausforderung für jedes Laienorchester. Nach den Proben
jetzt können wir aber sagen, dass dieses Stück auch nicht
schwieriger ist als andere Beethoven-Sinfonien, die wir bereits
einstudiert haben. Darauf sind wir auch ein bisschen stolz.
|